Unser Redebeitrag bei der 1. Mai Demo 2026 des DGB

 Liebe Kolleg*innen, liebe Sozialarbeitende,

Auf dem Foto sind Menschen auf einer Demonstration zu erkennen, die Transparente hochhalten. Auf dem vorderen steht: "Soziale Arbeit am Limit. Ausbeutung, Sozialabbau, Sparzwang beenden" auf dem hinteren steht: "Ihre Kriege nicht auf unserem Rücken. Gemeinsam im Kiez aktiv werden!"

Wir alle kennen es aus unserer täglichen Arbeit:
Kein eigener Arbeitsplatz, Arbeit in der Freizeit, unbezahlte Leitungsaufgaben, extrem hoher Krankenstand, hohe Fluktuation im Team, keine Zeit für betriebliche Mitbestimmung, fehlendes Gewaltschutzkonzept, keine Plaungssicherheit durch befristete Veträge und und und.

Was daraus folgt, kennen wir ebenso zu genüge:
Erschöpfung, Schlafprobleme, Depression, eingeschränkte Leistungsfähigkeit, mangelnde Betreuung und Beratung der Adressat*innen... 
Und das sind nur einige Punkte, die wir als Sozialarbeiter*innen in Folge von Sparzwängen, Sozialabbau und Verelendungspolitik tagtäglich spüren.
Die Rotstiftpolitik des Senats und der Bundesregierungen haben jetzt schon verherende Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und diejenigen, die in der kapitalistischen Verwertungslogik bereits ganz unten stehen.

Doch die Unterstützung für Menschen, die gerade mehr Hilfe benötigen, soll noch weiter weggekürzt werden.
Erst vor zwei Wochen hat ein aufgedecktes Arbeitspapier des Paritätischen Wohlfahrtsverbands gezeigt, was uns als Nächstes blüht. Während die Tinte vom letzten Sparpaket nicht mal trocken ist, planen Bund und Länder hinter verschlossenen Türen die nächsten Kürzungspläne im Umfang von mindestens 8,6 Milliarden Euro bei der Kinder- und Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe!  Und diese Kürzungen wird nicht nur die Menschen treffen, die ohnehin schon an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, sondern auch uns als Sozialarbeiter*innen!

Hinzu kommt die aktuelle SGB-II-Reform, die den Druck auf Erwerbslose massiv erhöhen wird. Das Jobcenter  darf wieder beim kleinsten Fehlertritt Total-Sanktionen anordnen und wir sind es, die die absolute Verzweiflung der Menschen auffangen werden müssen – ohne selbst irgendwelche Mittel zu haben. So wird der Sozialstaat, eine Errungenschaft von sozialen und gewerkschaftlichen Kämpfen, durch die Aufrüstungs- und Militarisierungsplänen der Bundesregierung nicht nur angegriffen sondern Stück für Stück abgebaut. 

Um die Folgen der Sparzwänge auf unsere Arbeit sichtbar zu machen und um dem entgegenzuwirken, haben wir die Kampgange  "Burned Out? Call Out! Gefährdungsanzeige jetzt!"  gestartet.
Es ist an der Zeit, dass wir als Sozialarbeiter*innen aufhören, uns selbst aufzuopfern, um andere Menschen zu unterstützen. Wir müssen klar benennen , dass adequate und professionelle Unterstützung nur möglich ist, wenn wir bessere Arbeitsbedingungen haben. Und um das Durchzusetzten, muss der Druck weiterhin von Unten kommen und verstärkt werden.

​Genau deshalb haben wir unsere Gefährdungskampagne gestartet. Wir weigern uns, die schweigsamen Komplizen*innen und Elendsverwalter*innen dieser Kürzungs- und Kriegspolitik zu sein! 
Schon jetzt haben die uns bisher eingereichten Gefährdungsanzeigen von Sozialarbeiter*innen deutlich gemacht, was wir schon lange sagen:  Die Kürzungspolitik und der Sozialabau trifft die Menschen immer härter und unsere Überlastungen darauf folgend, sind kein Zufall - sie haben System!

Wir müssen auf die Folgen der prekärer Arbeitsbedingungen aufmerksam machen und raus aus unserer Ohnmacht kommen. Bis zu den Abgehordnetenhauswahlen im September wollen wir mindestens 1.000 Gefährdungsanzeigen sammeln und sind daher auf eure Unterstützung angewiesen. 
Wir, das sind die Solidaritätstreffs Soziale Arbeit aus Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln und Wedding, rufen euch daher auf:
Macht mit bei der Kampagne und unterstützt die kollegiale Organisierung
Schließt euch mit euren Kollege*innen in den Einrichtungen und Betrieben zusammen und organisiert euch weiter.

Liebe Sozialarbeitende, liebe Kolleg*innen: Sprecht uns im Klassenkampf-Block an und kommt zu den Solidaritätstreffs Soziale Arbeit im Wedding, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg und organisiert euch mit uns. 

Raus aus der Ohnmacht. Soziale Arbeit in die Offensive! 
Wir lassen uns nicht für die Kriege der Herrschenden ausbrennen!

Vielen Dank. 

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