69. Solidaritätstreff: SGB-II-Verschärfung stoppen – unsere Professionalität verteidigen!
Liebe Kolleg:innen,
wir laden Euch hiermit herzlich zum 69. Solidaritätstreff im Wedding ein:
am Mittwoch, 15. April 2026
um 19:00 Uhr
im Kiezhaus Agnes Reinhold (Afrikanische Straße 74 in 13351 Berlin Wedding).
Thema: Solitreff-Einladung: SGB-II-Verschärfung stoppen – unsere Professionalität verteidigen!
Die aktuelle Reform der Grundsicherung (SGB II) ist kein bloßer Verwaltungsakt – sie ist ein massiver staatlicher Angriff auf das Existenzminimum unserer Adressat:innen und auf unsere ohne deprofessionalisierten fachlichen Standards in der Sozialen Arbeit. Während wir täglich versuchen, Menschen in prekären Lebenslagen innerhalb eines defizitären Sozialstaates zu stabilisieren, zwingt uns der Gesetzgeber durch neue Verschärfungen in eine Rolle, die rein auf Repression statt auf Unterstützung setzt.
Warum uns das alle angeht - die geplanten Änderungen sehen unter anderem vor:
01. Verschärfte Sanktionen: Erhöhung der Leistungsminderungen auf bis zu 30 % und bei wiederholten Meldeversäumnissen sogar der vollständige Entzug des Regelbedarfs – inklusive der Kosten für Unterkunft und Heizung.
02. Gefährdung von Familien: Sanktionen treffen faktisch die gesamte Bedarfsgemeinschaft. Wenn Leistungen für Eltern gekürzt werden, leiden die Kinder unmittelbar mit.
03. Abbau von Schutzräumen: Die Abschaffung der Karenzzeit für Wohnkosten und Vermögen erhöht den Druck auf Familien und Alleinerziehende massiv.
04. Früherer Erwerbszwang: Eltern sollen bereits ab dem 14. Lebensmonat des Kindes zur Arbeitsaufnahme verpflichtet werden – ungeachtet der oft fehlenden Betreuungsinfrastruktur.
Unsere Professionalität unter Druck:
Für uns als Sozialarbeitende bedeuten diese Verschärfungen eine weitere Deprofessionalisierung. Statt nachhaltiger Beratung und Qualifizierung rückt der Vermittlungsvorrang in oft prekäre Arbeit in den Fokus. Dies führt zu einer weiteren Verschlechterung unserer ohnehin schwierigen Arbeitsbedingungen und zerstört das notwendige Vertrauensverhältnis zu den Ratsuchenden.
Wir laden euch herzlich ein, gemeinsam über diese Entwicklungen zu diskutieren und Möglichkeiten eines kollegialen Widerstands zu organisieren. Im kommenden April-Solitreff wird deshalb ein Kollege, der in Marzahn arbeitet, ein Kurzreferat zu den konkreten Gesetzesverschärfungen und deren Auswirkungen halten. Anschließend diskutieren wir in einer offenen Runde über die zu klärenden Fragen und Antizipationen, wie zum Beispiel:
01. Wie betreffen uns und unsere Adressat:innen diese Verschärfungen konkret?
02. Wie gehen wir kämpferisch mit der drohenden Überlastung um?
03. Wo ergeben sich Bündnisse für den Protest protestierender Sozialarbeitender?
Mit kollegialen Grüßen
Solidaritätstreff Soziale Arbeit